Kompressionsstrümpfe bei Neuropathie: was können sie für Ihre Beine leisten?
12. Dezember 2025
Neuropathie ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen, bei denen Nerven geschädigt sind. Besonders in den Beinen und Füßen kann dies zu unangenehmen und einschränkenden Beschwerden führen. Viele Personen mit Neuropathie suchen nach Möglichkeiten, den Alltag komfortabler zu gestalten und Symptome wie Schwellungen, müde Beine oder Unsicherheit beim Gehen zu reduzieren.
Kompressionsstrümpfe heilen Neuropathie nicht, können jedoch in bestimmten Situationen eine sinnvolle unterstützende Maßnahme sein. In diesem Beitrag erklären wir, wie Neuropathie entsteht, welche Rolle Kompression spielen kann und worauf bei der Auswahl zu achten ist.
Was passiert bei Neuropathie?
Bei der peripheren Neuropathie sind Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark betroffen. Diese Nerven sind für Empfindungen, Muskelsteuerung und Temperaturwahrnehmung zuständig. Werden sie geschädigt, können Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle, Brennen, Schmerzen oder ein vermindertes Gefühl auftreten. Auch Kraftverlust und Gleichgewichtsstörungen sind häufig.
Die Ursachen sind vielfältig. Zu den häufigsten zählen Diabetes, Chemotherapie, länger anhaltende Nervenkompression, Autoimmunerkrankungen, Infektionen sowie Vitaminmängel, insbesondere Vitamin B12. Oft wirken mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen.
Die Rolle der Durchblutung bei Neuropathie
Neben der Nervenschädigung spielt bei vielen Formen der Neuropathie auch eine eingeschränkte Durchblutung eine wichtige Rolle. Eine verminderte Blutzirkulation kann kalte Füße, schneller ermüdende Beine und Flüssigkeitseinlagerungen im Knöchelbereich begünstigen. Diese Faktoren können neurologische Beschwerden zusätzlich verstärken, da Nerven schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.
Es entsteht ein Kreislauf: Nervenschäden beeinflussen die Gefäßregulation, und eine eingeschränkte Durchblutung verschlechtert wiederum die Nervenfunktion. Genau an diesem Punkt kann Kompression unterstützend wirken.

Wie wirken Kompressionsstrümpfe bei Neuropathie?
Kompressionsstrümpfe üben einen kontrollierten, nach oben hin abnehmenden Druck aus – mit der stärksten Kompression im Knöchelbereich. Dadurch wird der venöse Rückfluss des Blutes zum Herzen unterstützt, Schwellungen können reduziert und die Durchblutung der Beine verbessert werden.
Für Personen mit Neuropathie kann dies mehrere positive Effekte haben:
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Reduzierung von Schwellungen an Füßen und Knöcheln
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Wärmere Füße durch verbesserte Durchblutung
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Weniger Spannungsgefühl im Unterschenkel
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Mehr Stabilität und besseres Körpergefühl beim Gehen
Zusätzlich erzeugt der gleichmäßige Druck eine kontinuierliche sensorische Rückmeldung über die Haut. Diese taktile Stimulation kann die sogenannte Propriozeption unterstützen, also das Gefühl für die eigene Körperposition , was bei Sensibilitätsstörungen hilfreich sein kann.
Welches Kompressionsniveau ist geeignet?
Bei Neuropathie gilt: Komfort und Sicherheit stehen immer an erster Stelle. Eine zu starke Kompression kann Beschwerden verschlimmern, insbesondere bei reduziertem Schmerz- oder Druckempfinden.
In der Praxis werden meist folgende Kompressionsstärken empfohlen:
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Leichte Kompression (8–15 mmHg) bei sehr empfindlichen Füßen oder frühen Symptomen
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Leichte bis mittlere Kompression (15–20 mmHg) bei Schwellungen, müden Beinen und Durchblutungsproblemen
Höhere Kompressionsklassen sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt werden, beispielsweise bei zusätzlichen venösen Erkrankungen.
Material und Verarbeitung: besonders wichtig bei empfindlichen Füßen
Die Haut ist bei Neuropathie oft sensibler und anfälliger. Daher ist nicht nur der Druck, sondern auch das Material entscheidend. Empfehlenswert sind:
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Nahtlose oder besonders flache Zehenverarbeitung
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Weiche, hautfreundliche Materialien
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Gute Feuchtigkeits- und Temperaturregulierung
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Keine harten Bündchen oder einschnürenden Zonen
Bei diabetischer Neuropathie ist dies besonders wichtig, da das Risiko für Hautverletzungen und verzögerte Wundheilung erhöht ist.

Sicheres Anziehen und Tragen
Eingeschränkte Beweglichkeit, verminderte Kraft oder Gleichgewichtsprobleme können das Anziehen erschweren. Anziehhilfen oder spezielle Handschuhe können hier deutlich unterstützen. Wichtig ist, die Strümpfe langsam und gleichmäßig anzuziehen und Falten oder Verdrehungen zu vermeiden.
Kompressionsstrümpfe werden in der Regel tagsüber getragen und abends ausgezogen. Eine tägliche Hautkontrolle ist besonders bei vermindertem Empfinden unerlässlich.
Kompression als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes
Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn Kompressionsstrümpfe Teil eines umfassenden Konzepts sind. Dazu gehören geeignetes Schuhwerk, regelmäßige Bewegung, gegebenenfalls Physiotherapie sowie, bei Diabetes, eine stabile Blutzuckereinstellung. Veränderungen der Beschwerden sollten beobachtet und die Versorgung bei Bedarf angepasst werden.
Empfehlung: Welche Kompressionsstrümpfe eignen sich bei Neuropathie?
Für Personen mit Neuropathie eignen sich insbesondere Kompressionsstrümpfe, die Tragekomfort, Hautfreundlichkeit und eine milde bis mittlere Kompression vereinen.
Sockwell Kompressionsstrümpfe werden häufig als angenehm empfunden, da sie aus natürlichen Materialien wie Merinowolle und Bambus bestehen. Diese Fasern regulieren Temperatur und Feuchtigkeit und fühlen sich weich auf der Haut an. Die gleichmäßige Druckverteilung und die nahtarme Verarbeitung machen sie gut geeignet für den täglichen Einsatz bei empfindlichen Füßen.
Sigvaris Kompressionsstrümpfe sind eine passende Option, wenn etwas mehr Unterstützung benötigt wird. Diese medizinischen Kompressionsstrümpfe bieten eine zuverlässige Druckverteilung und bestehen aus glatter Mikrofaser, die Hautirritationen vorbeugen kann. Durch verschiedene Wadenweiten sitzen sie passgenau, ohne einzuengen.
Grundsätzlich gilt: Der beste Kompressionsstrumpf ist der, der angenehm zu tragen ist. Nur Strümpfe, die regelmäßig getragen werden, können ihre unterstützende Wirkung entfalten.
Häufig gestellte Fragen zu Kompressionsstrümpfen und Neuropathie
1. Können Kompressionsstrümpfe Neuropathie heilen?
Nein. Kompressionsstrümpfe behandeln nicht die Ursache der Nervenschädigung, können aber begleitende Beschwerden wie Schwellungen und Durchblutungsprobleme lindern.2. Können Kompressionsstrümpfe Beschwerden verschlimmern?
Bei falscher Größe oder zu hoher Kompression ist das möglich. Deshalb sind die richtige Passform und ein moderates Kompressionsniveau entscheidend.3. Wann sind erste Effekte spürbar?
Schwellungen können sich oft bereits nach wenigen Stunden reduzieren. Andere Effekte wie mehr Komfort oder wärmere Füße zeigen sich meist nach mehreren Wochen regelmäßigen Tragens.4. Sind Kompressionsstrümpfe bei diabetischer Neuropathie geeignet?
Ja, sofern sie sorgfältig ausgewählt werden. Besonders wichtig sind nahtarme Verarbeitung, hautfreundliche Materialien und eine tägliche Hautkontrolle.5. Wann ist fachlicher Rat sinnvoll?
Bei ausgeprägten Beschwerden, Hautproblemen, deutlichen Schwellungen oder Unsicherheit bezüglich der passenden Kompression ist eine Beratung durch medizinisches Fachpersonal empfehlenswert.